
Auf dem Titelbild grüßt uns die Reblaus, eine Marionette aus dem Neustadter Dornerei-Puppentheater, was auf das diesjährige Motto „Bühne und Leinwand” hinweist. Darunter ein Portrait über 42 Jahre Chawwerusch-Theater, mit viel Idealismus betrieben, und Einblicke in Kinos, damals vor 125 Jahren, auch in der Wanderschaft begriffen. Auf den 320 Seiten finden sich zudem zahlreiche Artikel über Natur, Gesellschaft, hervorragende Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart, Kulturhistorisches und auch Bezüge zu Kunst und speziell Literatur. Am Schluss rundet eine Chronik der Kreisverwaltung mit vielen interessanten Informationen das durchweg gelungene Jahrbuch ab.
Birgit Heid aus Landau führte ein Interview mit Björn Hayer, dem künstlerischen Leiter des Künstlerhauses Edenkoben seit Anfang 2025. Sein langjähriger Vorgänger war Hans Thill, der das Renommee über die Landesgrenzen hinaus steigerte. Dieser leitet weiterhin das Projekt „Poesie der Nachbarn – Dichter übersetzen Dichter”.
Außerdem schrieb Heid einen Nachruf über die im Mai 2025 verstorbene Schriftstellerin Lilo Beil, die in der Südpfalz aufgewachsen ist. Die engagierte Autorin ist für ihre Krimireihe um Gontard und Rapp bekannt.
Ganz am Anfang kann man drei Elfchen von Birgit Heid lesen:
Tanz
zu Gitarrenrhytmen
Sprünge und Drehungen
du schenkst mir versonnenes Lächeln
atemlos
Die Heimatjahrbuch-Redakteurin Regina Pfanger aus Herxheim, Mitglied des Lit. Vereins, ist besonders rührig und mit einigen Mundarttexten (Lyrik und Prosa) vertreten, oftmals mit Verve und Humor wie beim psichomadische Abzählreim „Bauch iwwer Kopp” und uff Pälzisch eine moderne Variation zu Goethes „Fauscht. Gebballt. Nei”. Mit der überregional bekannten Schauspielerin Friederike Becht führte sie ein längeres Telefongespräch. Darin geht es auch darum, inwieweit man sich in eine Rolle einbringen kann, ohne seine eigene Persönlichkeit zu vernachlässigen. Becht empfiehlt da Seelenhygiene. Die Mime stammt wie Lilo Beil ursprünglich aus Winden.
Auch von Heinz Ludwig Wüst aus Gleisweiler sind relativ viele Mundartgedichte vertreten, so zum Beispiel „Kaiserlichie Einnahmequell” bezüglich der Burg Trifels:
En Kaiser braucht uff dere Welt
fer sich unn Hofstaat haufich Geld!
Der Lokalhistoriker und Ethnologe Helmut Seebach, bekannt für sein Bachstelzennest in Queichhambach, wo einst die Poetenfeste des Lit. Verein stattfanden, beschäftigte sich mit Türwächterfiguren in alten Anwesen. In einen weiteren Beitrag wirft er einen Blick auf die Lebensmittelblockade 1849: „Die Landauer brauchen kein Rindfleisch zu essen bis sie verrecken!”
Von Kerstin Bachtler gefällt sehr gut ein Beitrag in der Ich-Perspektive über den „Zauber der Bühne – Gedanken einer Schauspielerin und Lyrik-Rezitatorin”. Mit weisen Worten wie: „Die Bühne ist kein Ort der Eitelkeit für mich, sondern ein Ort der Wahrheit. Eine Wahrheit, die nicht laut sein muß.„
In besonderer Weise wird auf den Bauernkrieg vor 500 Jahren eingegangen, an den Nußdorfer Bauernhaufen, der sich im Frühjahr 1525 formierte und durch das Land zog, um gegen die Herrschaften zu kämpfen, aus purer Not und der Freiheit (des Christenmenschen) willen. Zum Jubiläum erschien das historisches Werk „Baurenkrieg zu Nußßdorff angefangen” (herausgegeben für den Historischen Arbeitskreis Bauernkriegshaus Nußdorf von Simone Neusüß und Rolf Übel) mit Beiträgen und fortfolgenden Lesungen von Mitgliedern des Lit. Vereins.
Ein Artikel widmet sich dem großen Erfolg von „Hiwwe wie driwwe”, den beiden Dokumentarfilmen über die pfälzisch sprechenden Nachfahren von Auswanderern in die USA mit Schwerpunkt Pennsylvania, die sich über Jahrhunderte Sprache, Kultur und Identität bewahrten, und natürlich eine regelbedingte Symbiose mit der dort vorherrschenden Kultur eingingen, siehe Amish, Mennoniten, Hutterer. Näheres findet sich im Interview von Uwe Götz mit Benjamin Wagner und Doug Madenford. Dr. Michael Werner engagiert sich im Kontext neben seiner Sprachforschung besonders stark für die Erhaltung der Pfälzer Mundart. Bekannt ist er für seine lebhaften Vorträge über Elwetritsche und die Ausrichtung des Pälzer Prosapreis in Bockenheim. Der Lit. Verein hatte letztes Jahr die Schirmherrschaft übernommen.
