
Foto: Peter Herzer
Die 49. Bockenheimer Mundarttage brachten sichtbar neuen Wind in die Szene, so deutete sich laut dem Moderator und Organisator Dr. Michael Werner seit letztem Herbst ein Generationswechsel an.
Dr. Werner kommt selbst aus Ober-Olm (nahe Mainz) und sucht und fördert die Verschränkung der Rheinhessen mit den Pfälzern, hier wie dort (hiwwe wie driwwe) sind Veranstaltungen gut besucht. In der Vinothek des Weinguts Griebel (Weinstr. 52) fanden sich am sonnigen Samstag, den 18. April rund 60 Gäste ein.
Der Ortsbürgermeister Uli Keidel, ohne dessen Engagement „nichts geht”, betonte, dass Bockenheim stolz auf seine Mundart ist, ein Baustein des lebendigen Dialekts.
Dr. Werner verlas ein Grußwort der abwesenden Birgit Heid in Hochdeutsch. Der Lit. Verein hatte im letzten Jahr die Schirmherrhaft übernommen. Im Saal saß übrigens ein weiteres Vorstandsmitglied, das durchaus ad hoc vom Blatt ins Pälzische übersetzen hätte können.
So hieß es denn: Mundart ist und bleibt ein Teil der Identität der Heimat … die Siegerin bleibt am Ende stets die Mundart.
Gleich im Anschluß erschien es Dr. Werner von Wichtigkeit, die sprachgeografische Verteilung der pälzischen Mundart näher zu spezifizieren, also nicht nur im engeren Sinn die Pfalz. Auch hob er Sprachlinien wie Apfel – Appel hervor, die sogenannte Speyerer Linie, nördlich sagt man Appel und südlich Apfel. Das Standardwerk „Pfälzisch. Sprachkultur in der Pfalz und der Kurpfalz” von Rudolf Post lag bei der Kasse zum Erwerb aus.
Das Pennsylvania Dutch erwähnte er hierbei nicht.
Aus 31 Beiträgen nominierte die Jury sieben Autorinnen und Autoren, die ihre Texte vortrugen. Das Publikum entschied dann mit dem Stimmzettel. Bei einem Patt hatte die Jury das letzte Wort.
Die Gewinner und Gewinnerinnen waren:
1. Platz: Silke Fruth aus Weinolsheim in Rheinhessen mit „Die Sach mit de Weeschbeschreibung“. Die Newcomerin ist für ihre Büttenreden bekannt und schildert in ihrem lustigen Text Wegfindungsproblematiken nooh Unnerum. Dabei kam sie selbst paarmal bei den zungenbrechenden Sätzen (wie in Ulm, um Ulm, um Ulm herum) zur Erheiterung der Gäste ins Straucheln.
2. Platz: Max Stapf aus Weisenheim am Sand mit „Denkscht emol an mich“, eine würdige Erinnerung an seinen Großvater. Als Requisite hatte er (s)einen Gehstock dabei. Für den Großvater läuft die Lebenszeit ab, früher war er bekannt wie ein bunter Hund, jetzt kennt ihn niemand mehr. Mit vielen Rückblenden angereichert und vom Gehalt her wesentlich tiefgehender als der Text von Fruth.
3. Platz: Cornelius Molitor aus Kaiserslautern mit „De Gutschei“. Molitor, eloquent und in freier Rede, erzählt von der Schwiegermutter, die zum Geburtstag ein Gutschein für die Fußpflege erhalten soll – doch wo ist nochmal das passende Geschäft, denn in der Stadt wütet eine Fußpilzepidemie.
Die weiteren Teilnehmer waren Günter Gross, Gerburg Zech, Lothar Sattel und Manfred Dechert. Dr. Werner hob hervor, dass auf eine Frau sechs Männer kamen, was eher auf die Qualitätsarbeit der Jury hinwies.
In Abwesenheit von Matthias Zech nahm seine Schwester Gerburg Zech den Preis für das „Mundartgedicht des Jahres 2026” (Hasselnus vum Vadder) entgegen. Die Verleihung sollte am Freitag stattfinden, aber Zech befand sich im Urlaub.
Im Rahmen der Veranstaltung lasen vier Teilnehmer Texte aus der morgens stattgefundenen Mundartwerkstatt vor, jene waren Gerburg Zech, Max Stapf, Hans Weiss und Ina Schmitt.
Das Duo Ajoo mit Horst und Jörg Dehmel aus Guntersblum sorgte für die musikalische Umrahmung mit Mundartliedern und verabschiedete so auch die gut gelaunten Gäste.
