Doris Run­ge und Prof. Dr. Björn Hay­er. Foto: Doris Run­ge



Utopische Dichtung der Gegenwart, Lesung, Moderation und Diskussion in Landau


Am Don­ners­tag, 27. August, 18:30 bis 20:00 Uhr im Bücher­knecht Land­au.

Mit Doris Run­ge, mode­riert vom Her­aus­ge­ber und Lei­ter des Künst­ler­hau­ses Edenk­o­ben Prof. Dr. Björn Hay­er.


Wie zunächst zu ver­neh­men war, konn­te Manon Hopf krank­heits­be­dingt lei­der nicht teil­neh­men. Doch bereits vor der Ver­an­stal­tung ent­spann sich ein inter­es­san­tes und locke­res Gespräch mit der mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten Schrift­stel­le­rin Doris Run­ge und eini­gen Gäs­ten. Björn Hay­er, der Lei­ter des Künst­ler­hau­ses Edenk­o­ben, der die Antho­lo­gie „Aus einer geschütz­ten Ecke her­aus lässt du den Raum ent­ste­hen – uto­pi­sche Dich­tung der Gegen­wart” im März 2026 her­aus­ge­ge­ben hat, mode­rier­te die Ver­an­stal­tung. In sei­nem Buch ver­sam­meln sich fünf­und­drei­ßig Poe­tin­nen und Poe­ten. Doris Run­ge lebt seit vie­len Jah­ren in Cis­mar im „Wei­ßen Haus”, das sie auch für lite­ra­ri­sche Ver­an­stal­tun­gen nutzt. Das Dorf liegt im Kreis Ost­hol­stein.

Björn Hay­er beleuch­te­te den Begriff Uto­pie. Von Ernst Bloch, der sag­te, Hof­fen sei der Beginn der Uto­pie. Der klas­si­sche Uto­pie­be­griff hin­ge­gen, der ent­we­der eine Zukunft oder einen Ort mit einer per­fek­ten Gesell­schaft defi­niert, steht ein wenig im Wider­spruch zu Blochs Begriff, der den Weg, nicht erst den erhoff­ten Zustand beton­te. Da Lyrik bereits eine per­for­ma­ti­ve Gat­tung sei, so Hay­er, liegt sie dem Bloch’schen Uto­pie­be­griff nahe, da Poe­sie auch im Rezi­pie­ren lebt, also immer wie­der ent­steht. Björn Hay­er hat über die Uto­pie habi­li­tiert.

Doris Run­ge schreibt lako­nisch und deut­lich ver­knappt. Wie kamen Sie zum The­ma Uto­pie, wur­de sie von Björn Hay­er gefragt. Ihre Ant­wort: Ich hat­te vie­le in Fra­ge kom­men­de Tex­te. Vor allem die Gedich­te, die einen Kon­junk­tiv als sti­lis­ti­sches Momen­tum ins Zen­trum stell­ten, eig­ne­ten sich zur Antho­lo­gie-Ein­rei­chung. Lyrik, das bestä­tigt auch sie, ist bereits eine Gegen­welt, ein Gegen­ent­wurf. Uto­pi­sches Schrei­ben galt eini­ge Jah­re als über­holt, mitt­ler­wei­le jedoch nicht mehr. Doris Run­ge liest eini­ge ihrer Gedich­te: Könn­te ich, Feder­leicht, Stil­le Wild­nis, Grün gewe­sen, Grü­ne Gedich­te, Nir­gend­welt.


In der Antho­lo­gie wer­den fünf ver­schie­de­ne Berei­che von Uto­pie ange­führt, unter die die jewei­li­gen Gedich­te sub­su­miert wer­den. Uto­pie als Schreib­form, Vom Dazwi­schen zum guten Ort, Melan­cho­lie als Quell des Uto­pi­schen, Öko­lo­gie und Uto­pie, Uto­pie­kri­tik und Dys­to­pie. Gedich­te ande­rer Autorin­nen die­ses Buches wer­den von Björn Hay­er gele­sen.


Nach der Lesung schlos­sen sich Dis­kus­sio­nen an. Es wur­de gefragt, ob Uto­pie mit Reli­gi­on ver­gleich­bar sei, denn bei­des sei auch aus dem Schmerz gebo­ren. Auch wur­de über den genann­ten Begriff der „dunk­len Zeit” dis­ku­tiert. Die eher jün­ge­ren Zuhörer/innen bestä­tig­ten, in einer dunk­len Zeit zu leben, auf­grund der Kli­ma­kri­se und der her­auf­kom­men­den Bedro­hun­gen der Demo­kra­tie und des Arbeits­le­bens. Ande­re Stim­men mein­ten, man habe nach dem Welt­krieg schlim­me­re Zei­ten erlebt und die Jun­gen haben heu­te die Ver­än­de­run­gen in der Hand. Been­det wur­de der Abend mit der Fest­stel­lung, dass auch das dis­ku­tie­ren­de Audi­to­ri­um ein gutes Bei­spiel für eine Uto­pie sei.

Text: Bir­git Heid