Poe­ten­fest 2026




„Was das Indi­vi­du­um betrifft,
so ist ohne­hin jedes ein Sohn sei­ner Zeit;
so ist auch die Phi­lo­so­phie ihre Zeit in Gedan­ken erfasst.“

(Hegel, Aus den „Grund­li­ni­en der Phi­lo­so­phie des Rechts“, 1821)



Am 29. August fand bei spät­som­mer­lich war­men 27 °C das tra­di­tio­nel­le Poe­ten­fest im klei­nen Kul­tur­saal des „Hohen­feld­schen Hau­ses” nahe dem Dom statt. Eine im Gebäu­de befind­li­che Gedenk­stät­te erin­nert an die Schrift­stel­le­rin Sophie von La Roche (1730–1807), wel­che dort zeit­wei­se wohn­te.


Das Fest stand unter dem Mot­to „Zeit­geist“. Um 15:30 Uhr tra­fen sich Autoren und Gäs­te zu einem gesel­li­gen Ankom­men, die anschlie­ßen­den Lesun­gen gin­gen zwi­schen 16 Uhr und 20:30 Uhr über die Büh­ne, musi­ka­lisch umrahmt durch Mari­usz Rzym­kow­ski an der Gitar­re und Mund­har­mo­ni­ka.
Die Schrift­stel­le­rin Bir­git Heid aus Land­au führ­te in die Ver­an­stal­tung ein und freu­te sich sehr über die Begeg­nun­gen und die Viel­falt der Tex­te. Sie erin­ner­te sich gern an das ers­te Poe­ten­fest 2013 in Queich­ham­bach, das zusam­men mit Hel­mut See­bach im Bach­s­telz­netz orga­ni­siert wor­den war.
Eine zusätz­li­che Attrak­ti­on bot sich durch die „Poe­sie zum Pflü­cken” und den Bücher­tisch an.

Ursu­la Dör­ler aus Stel­zen­berg mode­rier­te elo­quent durch den Abend. Gäs­te durf­ten jeder­zeit ankom­men und sich ver­ab­schie­den. In den Pau­sen wur­den Snacks sowie Geträn­ke ange­bo­ten und es bestand Gele­gen­heit zum Aus­tausch mit den Mit­wir­ken­den. Der Ein­tritt war frei.


Das Mot­to umfass­te his­to­ri­sche und nost­al­gi­sche Betrach­tun­gen des Zeit­geists sowie (dys­to­pi­sche) Zukunfts­ent­wür­fe. Dabei reich­ten die The­men von tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen wie KI und Smart Homes bis hin zu deren Aus­wir­kun­gen auf das Wohl­be­fin­den und das sozia­le Mit­ein­an­der.


Ulrich Bun­jes aus Spey­er stell­te sei­ne Kurz­pro­sa „Herr­schafts­zei­ten” vor. Die Hand­lung beginnt in einer Aus­seg­nungs­hal­le zu einer Trau­er­fei­er. Eine bekann­te Unter­neh­mer­per­sön­lich­keit ist ver­stor­ben und die Bän­ke gut befüllt. Der empa­thi­sche, huma­nis­tisch gepräg­te Fried­bert sitzt weit hin­ten, neben ihm Joe, ein eit­ler, auf­ge­bla­se­ner (frü­he­rer) Ange­stell­ter sei­nes toten Chefs. Joe heißt eigent­lich Johann Sebas­ti­an, wobei dem Leser in Ver­bin­dung mit Orgel und Cho­ral Bach von den Lip­pen springt. Auch zitiert Bun­jes im Text ver­mut­lich Poli­ti­ker wie Javier Milei, die mit der Ket­ten­sä­ge den Staats­ab­bau umset­zen wol­len, eine Dere­gu­lie­rung zu Guns­ten der Eli­ten anstre­ben. In einem Gespräch zwi­schen bei­den auf dem Weg des Trau­er­zugs zum Fried­hof wird klar, wie Joe die Ritua­le und „Old school” zuwi­der sind. Ihn prägt eine hyper­mo­der­ne KI-gesteu­er­te Leis­tungs­ge­sell­schaft, die Men­schen opti­miert und auch über­wacht, die auf Pro­fit maxi­miert ist. Fried­bert hin­ge­gen fin­det tröst­li­che Wor­te für die Ange­hö­ri­gen, wider­spricht Joes kalt­her­zi­gen The­sen. In der letz­ten leicht melan­cho­li­schen Sze­ne wird die Ver­ein­sa­mung vie­ler ange­deu­tet.

Ulrich Bun­jes zitier­te pas­send aus Goe­thes „Faust”:

Was ihr den Geist der Zei­ten heißt,
Das ist im Grund der Her­ren eig­ner Geist,
In dem die Zei­ten sich bespie­geln.


Eine intel­li­gent durch­dach­te, zeit­kri­ti­sche Erzäh­lung mit man­cher­lei Spit­zen.



Rena­te Demuth aus Kai­sers­lau­tern-Hohenecken pflegt auf wun­der­ba­re Wei­se ihren Hom­bur­ger Dia­lekt im saar-pfäl­zi­schen Grenz­be­reich. Sie trug meh­re­re Gedich­te vor.

In ihrer „Selbschbe­trach­tung” kann die Prot­ago­nis­tin sich „im Spi­chel an de Wand / gar net wie­der erken­ne”. Sie ist fremd im Land, soll funk­sio­nee­re unn sich aan­bas­se, der­weil sie fest­stellt, dass sie dem Zeit­geischt nie ent­spre­che wird. „De sche­j­ne Schein wär’s, wo heit Vor­rang hätt.” Ein Quer­kobb ebbe.

In „So Satt” fin­det ein Bier­fescht statt. Aller­lei wird auf­ges­tischt und ein Beseif­nis macht schlapp. Nix basst meh rin, de Maa rewel­leert. In der zwei­ten Stro­phe wird an das Elend dort drau­ßen in der Welt ermahnt, an eine Dür­re: Es Was­ser längscht knapp. Viel Men­sche krank, schlapp … gestorb. Die Laun auf dem Bier­fescht is ver­dorb.



Ulrich Bun­jes resü­mier­te:

„Aus mei­ner Per­spek­ti­ve war die Ver­an­stal­tung gelun­gen, kei­ner der Autoren hat­te absa­gen müs­sen, wir haben pünkt­lich ange­fan­gen und haben pünkt­lich auf­ge­hört, die Musik war ein­gän­gig und har­mo­nisch und hat das Fest mit­ge­tra­gen. Das dies­jäh­ri­ge Poe­ten­fest war erfolg­reich. Wir hat­ten noch mehr Zuhö­rer als im letz­ten Jahr, und die meis­ten haben stun­den­lang zuge­hört. Es hat, glau­be ich, auch den Lesen­den Spaß gemacht. That´s it.”



Dass die Ver­an­stal­tung so rei­bungs­los ablief, war vor allem dem enga­gier­ten Orga­ni­sa­ti­ons­team zu ver­dan­ken!




Fol­gen­de Autorin­nen und Autoren waren mit Tex­ten betei­ligt:

  • Lothar Seid­ler
  • Wolf­gang Blen­der
  • Dani­el Hoff­mann
  • Wer­ner Fröh­lich
  • Man­fred Dechert
  • Ulrich Bun­jes
  • Rena­te Demuth
  • Wolf­gang Allin­ger
  • Kat­rin Kirch­ner
  • Eva Sper­ber
  • Dawn Dis­ter
  • Ulri­ke Gröm­ling