Recht­zei­tig zur Leip­zi­ger Buch­mes­se erschien die druck­fri­sche üppig bebil­der­te Aus­ga­be des Maga­zins für Lite­ra­tur und Kul­tur der Pfalz und den angren­zen­den Regio­nen: Archi­tek­tu­ren, wohl­ge­merkt im Plu­ral, um mehr Frei­räu­me und Viel­falt für die Künst­ler zu erschlie­ßen.

Das Cover zeigt dies­mal eine engels­glei­che Beton­skulp­tur von Chris­tel Lech­ner auf dem Dach der Kamm­garn Kai­sers­lau­tern, der unte­re Teil den Win­zer­kel­ler in Ingel­heim, erbaut 1904.
Das Titel­the­ma nimmt einen brei­ten Raum ein, es bleibt noch aus­rei­chend Platz für sons­ti­ge Tex­te. Im hin­te­ren Teil ledig­lich eine Rezen­si­on und zwei Neu­erschei­nun­gen, das scheint m.E. doch zu dürf­tig. Es folgt eine gute Über­sicht über Aus­stel­lun­gen im Lan­de. Da ich gera­de heu­te von David Juli­an Kirch­ner sei­nen Song „Eva­ku­iert das Ich-Gebäu­de” hör­te … ja, da hät­ten mir auch Anre­gun­gen aus der Musik gefal­len.


Ralf Asmus vom Nünne­rich-Asmus-Ver­lag gab sich auf der Mes­se mit dem Erschei­nungs­bild und der Auf­la­ge zufrie­den. Selbst­ver­ständ­lich besteht noch Poten­ti­al hin­sicht­lich des Bekannt­heits­grads nach oben. In mir die Fra­gen: Was bewegt die Men­schen gera­de am meis­ten? Wo kann man deut­li­che Akzen­te in der Medi­en­land­schaft set­zen?



Im Buch fin­den sich rela­tiv vie­le Autorin­nen und Autoren vom Lit. Ver­ein.


Die Lyri­ke­rin Bet­ti­ne Wag­ner-Frie­de­wald aus Kai­sers­lau­tern ist mit zwei Gedich­ten ver­tre­ten: „Vil­la Glä­ser” und „Die Kapel­le von Ron­champ”, eine Hom­mage an den Archi­tek­ten Le Cor­bu­si­er. Sie brach­te von der Kapel­le Not­re Dame du Haut (nahe Bel­fort) ein Foto mit und dich­te­te sinn­lich, kräf­tig: // am ende ein gebäu­de gebä­ren / das men­schen im her­zen berührt //


Sicht­lich erfreut zeig­te sich Rena­te Demuth über ihr auf­ge­nom­me­nes Gedicht „Das alte Haus”, wor­in sie offen­bar ihre Kind­heit und Jugend ver­brach­te, in der Kriegs- und Nach­kriegs­zeit in mate­ri­el­ler Not, aber das im guten Sin­ne Zwi­schen­mensch­li­che half über alles hin­weg.
// Das Haus kein Mär­chen­schloss, jedoch Gebor­gen­heit / Im Win­ter Eises­käl­te in den Stu­ben, gefror­ne Schei­ben / Doch vor allem Her­zens­wär­me, Zärt­lich­keit und Empa­thie //

Gerd Fors­ter ver­knüpf­te in sei­nem neu­en Pro­sa­stück geschickt Lite­ra­tur und Musik, wie schon im letz­ten Werk „Besuch beim alten Casa­no­va”. Mozart reist mit sei­ner Mut­ter von Mann­heim nach Paris, dafür braucht er müh­sa­me 9,5 Tage mit der Kut­sche. Dort schreibt er herr­li­che Sona­ten, dann stirbt die Mut­ter. In der zwei­ten moder­nen Ebe­ne fährt ein ICE von Kai­sers­lau­tern nach Paris in 2,5 Stun­den, da gibt’s typi­sche Auf­fäl­lig­kei­ten. Aus­ge­prägt Fors­ters Beob­ach­tungs­ga­be. Im Gedicht „Bäu­me” schil­dert er sei­ne Lie­be zu den „Ver­trau­ten”: // … Eini­ge waren schon / vor mir da. Die meis­ten wer­den / mich über­dau­ern, abge­se­hen / von schäd­li­chen bereits //


Lutz Stehl hat es von sei­ner Wahl­hei­mat Bre­ta­gne wie­der in unse­re schö­ne Pfalz gezo­gen. Er wid­me­te sein Gedicht „Bethes­da / Johan­nes 5,2 Oder Frank-Loeb­s­ches Haus, Land­au” u.a. Wolf­gang Schwarz (1916–2012). Im Loebs­chen Haus wohn­ten einst der Urgroß­va­ter (sowie des­sen Nach­kom­men) von Anne Frank. Im Ober­ge­schoß ist ein Muse­um zur Doku­men­ta­ti­on jüdi­scher Kul­tur ein­ge­rich­tet. Stehl stellt sich vor, was gesche­hen wür­de, wenn Anne Frank, geret­tet (!), wie­der­kä­me. // Eine Nische / Eine BLEIBE / Um ihr Tage­buch zu voll­enden //
Im Maga­zin sind zwei sei­ner Wer­ke aus der Serie „Demeu­res, Blei­ben, Dimore” abge­bil­det.

Im sel­ben Kon­text ist das Mund­art­ge­dicht „Aar­mes Schnee­witt­che” von Susan­ne Faschon (1925–1995) zu ver­ste­hen, wun­der­bar bespro­chen von Chris­tia­ne Ste­pha­nie. Die jüdi­sche Karo­la Tuteur war ihre Klas­sen­ka­me­ra­din und nach dem Pogrom 1938 plötz­lich ver­schwun­den.: // uff äämol / gar nim­mi kumm is //. Sie muß­te mit ihren Eltern flüch­ten, war spä­ter in Bel­gi­en von ihnen getrennt, und wur­de mit ihrem Bru­der ver­mut­lich in Ausch­witz ermor­det. Davon zeu­gen Stol­per­stei­ne in Kai­sers­lau­tern.


Johann Seidl spricht in sei­nem expres­sio­nis­ti­schen Gedicht „In Babel, Feld­post” Gift­gas, Kriegs­schre­cken und die Völ­ker­ver­stän­di­gung an. Sind wir Knech­te und Mäg­de? // Wir sind nicht frei, / Wir sind nur Mensch // – doch die Ratio rät: // Wir müs­sen reden //

Im Geis­te der Kon­kre­ten Poe­sie zeich­ne­te Micha­el Dil­lin­ger einen sehens­wer­ten ARCHITEKTURM. August 2025 starb Eugen Gom­rin­ger, das hät­te ihn gefreut.



Her­aus­ge­ber ist der Bezirks­ver­band Pfalz. Die Redak­ti­on besteht aus Ruth Rat­ter, Regi­na Rei­ser, Sarah Angel­mahr, Mor­phy Burk­hart und Manu­el Theo­phil.

Das The­ma der nächs­ten Aus­ga­be heißt „Far­ben”. Tex­te und Bil­der sind bis zum 15.5.26 an die Redak­ti­on unter palatinart@bv-pfalz.de zu rich­ten.

Am 11. April 2026, 11 Uhr, wird die neue Aus­ga­be der Pala­tin­Art in der Pfalz­bi­blio­thek Kai­sers­lau­tern vor­ge­stellt.

Info: Pala­tin­Art. Maga­zin für Lite­ra­tur und Kul­tur 05/2026, 120 Sei­ten mit 64 Abbil­dun­gen, 10 €, über­all im Buch­han­del erhält­lich.