Foto: Mela­nie Dreysse/Laif



„Aus­ge­le­sen”, ein Arti­kel der Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung vom 13.09.2026 von Wieb­ke Hol­ler­sen.
Birgt Heid aus Land­au hat ihn auf­merk­sam gele­sen und fasst den Inhalt für Sie wie folgt zusam­men:


Eine Stu­die zur Lese­for­schung in Indi­en ergab, dass sich ver­sier­te Leser/innen Bil­der bes­ser mer­ken kön­nen. Es ist erwie­sen, dass Lesen das Gehirn ver­än­dert. Doch was geschieht, wenn immer weni­ger oder über­haupt nicht mehr gele­sen wird?


Die aktu­el­le PISA- Stu­die zeigt, dass das Lesen am meis­ten zurück­ge­gan­gen ist. Das has­ti­ge, aber nicht ver­ste­hen­de Lesen hat hin­ge­gen zuge­nom­men. In Deutsch­land hat fast jede/r drit­te Jugend­li­che es nicht geschafft, bei einem mit­tel­lan­gen Text die Haupt­aus­sa­ge zu erfas­sen, mehr als 90 Pro­zent der Teen­ager ver­stan­den lan­ge, unge­wohn­te Tex­te nicht und konn­ten sie nicht kri­tisch ein­ord­nen.

Das ame­ri­ka­ni­sche Maga­zin „The Atlan­tic” hat im Som­mer „Das Ende des Lesens” aus­ge­ru­fen und die Fol­gen aus­ge­malt: mit dem Lesen gehe auch das kom­ple­xe Den­ken ver­lo­ren. Dies wird sich von ande­ren Wis­sen­schaft­lern bestä­tigt.


Lesen ist eine künst­li­che kul­tu­rel­le Eigen­schaft. Buch­sta­ben zu Bil­dern, Gedan­ken und Gefüh­len zu ver­ar­bei­ten, bedeu­tet, ein gan­zes Lese­netz­werk in Gang zu set­zen. Dies sei mehr und mehr bedroht. Auch sei­tens der Erwach­se­nen lasen nur noch 31 Pro­zent im ver­gan­ge­nen Jahr gedruck­te Bücher. In Groß­bri­tan­ni­en, wo die Lese­fä­hig­keit bei Schü­lern als ein­zi­ge teil­wei­se zuge­nom­men hat, gaben die Jugend­li­chen an, nie oder fast nie KI für die Schul­ar­bei­ten zu nut­zen. Es könn­te also einen Zusam­men­hang zwi­schen der Lese­fä­hig­keit und der KI-Nut­zung geben.


Lesen för­dert ein bes­se­res Wort­schatz- und Arbeits­ge­dächt­nis, län­ge­re Auf­merk­sam­keit, Ver­ständ­nis für unge­wohn­te Zusam­men­hän­ge, Fak­ten und Gedan­ken­wel­ten, eine tie­fe­re Empa­thie und schließ­lich das gesam­te Lese­netz­werk durch die kogni­ti­ve Umwand­lung von Buch­sta­ben in Geschich­ten, was die Vor­her­sa­ge­fä­hig­keit sowohl bei Tex­ten als auch in Gesprä­chen zur Fol­ge hat. Leich­te Tex­te füh­ren zu einem gerin­ge­ren Trai­nings­ef­fekt, ähn­lich wie bei kör­per­li­cher Bewe­gung. Das Pro­blem soll­te end­lich ernst­ge­nom­men wer­den.