
Bericht von Birgit Heid zum Autorenseminar am 17.10.2026 in der Pfalzakademie Lambrecht
Zum diesjährigen Autorenseminar in der Pfalzakademie fanden sich neun Autorinnen und Autoren sowie zwei Gäste ein. Die Reihenfolge der lesenden Autorinnen und Autoren wurde spontan getroffen.
Ein Autor aus der Südpfalz startete mit seinem Gedicht „Der alte Sekretär” das Programm. Das Gedicht behandelt das Thema des Verfalls und der Vergänglichkeit der Liebe und die langjährigen Folgen des Lyrischen Ichs in Form von Melancholie. Besprochen und kontrovers diskutiert wurden die Häufigkeit von Nomen in der Lyrik und von Wortwiederholungen. Gerade am Zeilenende, so die Meinung, sollten zu viele Nomen vermieden werden, um dem Gedicht die Schwere zu nehmen.
Das zweite Gedicht von ihm lautete „Elsasshausen”. Ein Ort der Niederlage der Franzosen 1871. Erwähnt werden im Gedicht die Mahnmale, die die geschichtlichen Ereignisse widerspiegeln und die heutige Stille sowie das Vergessen. Wir diskutierten über den Begriff des „glücklosen Soldaten” und boten anstelle von „Diese glücklosen …” „Die unglücklichen …” an. Das Gedicht wurde als gelungen bewertet.
Das weitere Gedicht des Autors heißt „Tränen in den Alpen”. Es behandelt den herbeigeführten Absturz des Flugzeugs am 24.03.2015 in den Französischen Alpen. Die Benennung der Vorgänge des damaligen Geschehens wechseln sich mit Reflexionen über den Ort und das Geschehen ab. Kleine Verbesserungen wurden vom Auditorium vorgeschlagen. Insgesamt wurde es als sehr geglückte Ballade bezeichnet.
„Der Heimweg”, lautet der Titel einer Erzählung eines Speyerer Autors. Die Supermarkt-Mitarbeiterin Petra beendet im November spätabends ihre Samstagsschicht und möchte mit dem Auto nach Hause fahren. Da das Fahrzeug jedoch nicht anspringt, beschließt sie, zu Fuß heimzugehen.
Positiv erwähnt wurde das Nachempfinden weiblicher Ängste auf nächtlichen Straßen, die jedoch nicht benannt werden, und die die Erzählung zu einer sehr gelungenen Kurzgeschichte machen. Die Beschreibung der Lichtkegel der Straßenlampen und die Wechsel der eigenen Schattenverläufe wurden anerkennend bewertet, ebenso die Andeutungen der Empfindungen, die die Atmosphäre unterstreichen.
Ein Autor aus Neustadt legte einen Absatz des letzten Teils einer Romantrilogie vor. Sein Protagonist Iwan ist ein Landstreicher, der im August 1880 in Petersburg an einem berühmten gemalten Panorama vorbeikommt. Iwan war in seinem Leben in angesehenen Berufen tätig gewesen. Da er von den Menschen als minderwertiger Bürger gesehen wird, hat er einen Hass auf sie entwickelt.
Die Erzählung ist atmosphärisch dicht geschrieben und wurde als sehr gelungen bewertet. Die Diskussionsrunde wünschte dem Autor eine erfolgreiche Veröffentlichung des Romans.
Eine Geschichte für Kinder von vier bis sieben Jahren legte eine Autorin aus der Vorderpfalz vor. Ihr Titel lautet „Der neugierige Sonnenstrahl”. Dieser Titelheld will nicht mit seiner Mutter, der Sonne, im Meer untergehen, sondern bleibt am Strand zurück, um ein Abenteuer zu erleben.
Die Erzählung wurde als lebhaft und anschaulich bezeichnet. Einige kleine Details könnten verbessert werden. Die Gestalt des Strahls selbst bleibt im Dunkeln. Besteht er nur aus dem Lichtkegel oder ist auch eine Linie in der Luft zu sehen? In der Diskussion wurde an Sonnenstrahlen erinnert, die durch das Laub der Bäume sichtbar werden.
Der Text einer Autorin aus Landau, ein Haibun, eine Mischform von Prosa und Lyrik der japanischen Tradition, trägt den Titel „Quartett”. Vordergründig ist es eine Reiseerzählung vom Kap Arkona auf der Halbinsel Wittow auf Rügen. Nach einer Einleitung zum Ort stehen vier Leuchttürme unterschiedlicher historischer Herkunft im Mittelpunkt. Verbunden wird die Thematik mit einem Quartettspiel, das in Form von gelegentlichen Anspielungen in sechs Haiku auftaucht, die den Textabsätzen folgen.
Die Mischung aus Reisebeschreibung und persönlicher Reaktion wurde als erfolgreich bewertet. Die Verbindung von Prosatext und Haiku könnte etwas nachvollziehbarer gestaltet werden.
Ein Schriftsteller aus Heidelberg trug seine Erzählung „An einem Nachmittag im Oktober” vor. Eduard betritt eine Kneipe und trifft eine für ihn potenzielle Liebespartnerin mit einem seiner Bekannten an. Eduards Stimmung sinkt abrupt, doch die beiden rufen ihn zu sich an den Tisch.
Dieser Text verdeutlicht die Flüchtigkeit, die Beziehungen haben können sowie Missverständnisse, die zu Unsicherheit und weiteren Missverständnissen führen können. Die Geschichte wurde anschaulich und atmosphärisch geschrieben, kleine ironische Einsprengsel vertiefen das Empfinden von Vereinzelung. Eine beachtenswerte Studie über das mögliche Leben in einer Großstadt.
Von einem Autor aus Schifferstadt stammt das Gedicht „Vom wahren Unglauben”. Genannt wird im Verlauf der Strophen, was die genannten Personen auszeichnet. Die Wiederholungen geben dem Poem die Anmutung eines Gebetes, dem Glaubensbekenntnis nicht unähnlich, jedoch auch mit Anklängen an eine Litanei. Auf Vorschlag einer Teilnehmenden lasen die meisten das Gedicht gemeinsam. Es war eine interessante Erfahrung.
Ein kurzer Prosatext dieses Autors, mit dem Titel „Yododine und Flopi”, wurde vorgestellt. In knappen wörtlichen Reden entfaltet sich ein Zukunftsszenario, bei dem die genannten Protagonisten, die aus der Welt Ontologia stammen, nun auf der Erde das zerstörerische Treiben der Menschheit beobachten und es mithilfe eines Virenregens unterbinden sollen. Mit Erfolg.
Die Teilnehmenden diskutierten über den Anfangssatz und den Schluss-Halbsatz. Darüber hinaus wurde über die besondere Spezifikation der Viren gesprochen. Der Text wurde als interessant und sprachlich frisch bezeichnet.
Eine Autorin aus Waldsee legte ihren Text „Weiches Brot” vor. Ein Radfahrer mittleren Alters möchte auf der Landstraße in die Kreisstadt gelangen, um sich beim Arbeitsamt vorzustellen. Als er vor sich Glasscherben und den verlorengegangenen Wasserkasten sieht, hält er an und kehrt den Unrat mit Zweigen zur Seite.
Die Erzählung kann eine Parabel oder eine surrealistische Geschichte sein. Manches ist unrealistisch. Wenn die Erzählung als Parabel gedacht ist, könnte der Autofahrer als günstiges Schicksal gesehen werden. So ließen sich auch die anderen Elemente der Erzählung interpretieren. Insgesamt also ein sehr anregender Text.
Dieselbe Autorin brachte auch das Gedicht „Plastikgeschirr austauschbar” mit. Das Poem beinhaltet einen Vergleich zwischen der Tiefe von Kommunikation und dem Besteck und Geschirr, das verwendet wird. Hier steht das Plastikgeschirr für oberflächliche Schlagworte und eine konturlose Sprache. Das Auditorium diskutierte über mache verwendeten Begrifflichkeiten, beispielsweise „autark”. Es wurde als wichtiges Gedicht deklariert, auch, weil die Menschheit durch KI manipuliert wird.
Die Erzählung einer Autorin aus Stelzenberg trägt den Titel „Schmerzlich willkommen”. Ein Patient im Wartezimmer geht seinen verächtlichen Gedanken nach. Kleine zynische Spitzen zur Aufdeckung der Widersprüchlichkeit seiner Gedanken vertiefen die Erzählung.
Die Autorin fragte, ob es sich mehr um Satire oder um Stammtischgedanken handelt und was zu einer Satire fehlt. Eine Satire sollte noch stärker übertrieben sein und vom Ich-Erzähler absehen, befanden mehrere Teilnehmende. Ein guter Satiriker sei Christian Ehring, der Missstände in Vergleiche umsetzt und diese dann stark übertreibt.
In der letzten halben Stunde besprachen wir unsere Einstellung zur Verwendung der KI:
- Einig waren sich die Teilnehmenden, dass generative KI im Verein nicht verwendet werden soll. KI-Texte haben kaum literarische Qualität. Die KI kann Texte nicht emotional durchdringen. KI darf nicht Ideengeber sein.
- Hingegen sind Korrektur und Kritik bzw. Interpretation durchaus von einigen erwünscht.
- Die Frage blieb, wie mit dem „Bereich dazwischen” vorgegangen werden soll, d.h., wenn man sich von der KI kleine Anregungen verschafft, die auch eine Person hätte geben können. Bei z.B. über 5 % des Textvolumens, das unter Zuhilfenahme von KI erstellt wurde, sollte eine entsprechende Anmerkung erfolgen, wobei der genannte Anteil sowohl willkürlich als auch kaum überprüfbar ist. Die eigene Urteilskraft über ein von der KI beeinflusstes Ergebnis darf beim kreativen Schreiben niemals fehlen.
Kann man, so eine Diskussion, die These stehen lassen, dass die KI die eigene Kreativität torpediert? Schließlich drängen auch Verlage Autoren dazu, ihre eigene Kreativität zugunsten von Verlagsvorgaben anzupassen. Letztendlich sollte man das Bewusstsein haben, dass KI-Eingaben das System weiter vergrößern und dass die eigenen Ideen kostenlos und urheberrechtlich ungeschützt verwendet werden. Schließlich verursacht die Künstliche Intelligenz auch erhebliche Umweltfolgen.
