
Die Deutsche Haiku Gesellschaft (DHG) lud am Samstag Abend, den 2. Mai in die eindrucksvolle Homburger Jugendherberge ein, um die „ästhetische Welt japanischer Gärten und die poetische Klarheit des Haiku” zu verknüpfen. Einführende Worte sprach der Vorstand Tobias Tiefensee. Auch wurde für die zahlreich erschienenen Gäste das Wesen und Aufbau eines Haikus erläutert, insofern einigen nicht so recht bekannt.
Die öffentliche Veranstaltung war am Wochenende eingebettet im Rahmen weiterer Programmpunkte wie der Mitgliederversammlung, Vorträgen, Exkursionen und gemütlichem Zusammensein.
Volker Menzel vom Vorstand des Japanischen Gartens Kaiserslautern (JG) zeigte zu Beginn einen idyllisch anmutenden Film. Besonders gefielen die Tiere, wie ein Küken, das vergeblich versucht hatte, einen kleinen Wasserfall zu überwinden.
Im Anschluss erläuterte Wenzel die Historie und die spezifisch kulturellen Elemente des Gartens anhand vieler Bilder, erwähnte z. B. die Steinsetzung, denn da gibt’s viele, viele Regeln. Im Besonderen wies er auf das originale Tee- und Gästehaus aus dem Jahr 1900 hin. M. E. hätten die Bilder auf der großen Leinwand etwas kontrastreicher und farbiger sein können. Besonders prächtige Aufnahmen entstehen z. B. während toller Illuminationen in Nachtveranstaltungen wie Tsukimi und demnächst wieder in der Langen Nacht der Kultur am 13. Juni.
Für den Sonntag wurde zu einer Besichtigung des JG herzlich eingeladen.
Unter den Gästen befanden sich Gerhard Mohr, Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Saarbrücken mit seiner jap. Ehefrau, beide halfen an einer Stelle bei der Übersetzung nach.
Es folgte die Lesung des „Duo Wortlaut“, in der Rainer Furch und Madeleine Giese Haikus sowie auch andere lyrische Formen zum Thema Frühling präsentierten. Vom Konzept her waren zuerst die klassischen vier japanischen Meister dran (Matsuo Bashō, Yosa Buson, Kobayashi Issa und Masaoka Shiki), fortfolgend einige moderne, dann wendete man sich Europa zu (Ezra Pound), schließlich ging es über den Teich (Allen Ginsberg, Jack Kerouac).
Rainer Furch ist Schauspieler am Pfalztheater Kaiserslautern und insbesondere durch seine TV-Rollen im Tatort und sonstigen Formaten überregional bekannt. Seine Frau Madeleine Giese steht ihm nicht nach, sie schreibt Kriminalromane und Drehbücher, viele angehende Autor*innen hatten Schreibkurse bei ihr belegt.
Zwischendurch wurde auf den tiefsinnigen Grabspruch von Rainer Maria Rilke eingegangen, den er selbst ausgewählt hatte:
Rose, oh reiner Widerspruch,
Lust, Niemandes Schlaf zu sein
unter soviel
Lidern.
Auch „Kirschblüte von der Nacht” von Barthold Heinrich Brockes gefiel sehr:
Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
In kühler Nacht beim Mondenschein;
Ich glaubt′ , es könne nichts von größerer Weiße sein.
.……
Das Duo warf sich kongenial die Bälle zu und begeisterte das Publikum durch seine eloquente, teils locker-lustige Darstellung literarischer Schätze. In manchen Momenten wurde es auf sehr empathische Weise ernst. Hilde Domin sprach gern von einem Gefäß, in dem man Erinnerungen, Gedanken, Gefühle und Werte aufbewahren kann – was die Gäste in den Alltag mitnehmen mögen.
In zwei Blöcken lasen Dichtende der DHG eigene Texte (mit Wiederholung) und vermittelten einen inspirierenden Einblick in die Vielfalt aktueller Haiku-Dichtung.
Weidenkätzchen
der Sohn meines Nachbarn
wird Vater
(Birgit Heid)
