
Die Seniorenwoche im Rahmen des Stadtjubiläums 750 Jahre Kaiserslautern bot einen besonderen Programmpunkt: „Unsere Alten – Damals wie heute“.
Renate und Klaus Demuth (Piano) gestalteten am 19. Mai um 15:30 Uhr eine Lesung im „K“ mit Prosa und Lyrik auf Hochdeutsch wie Mundart. Das Niveau war beachtlich hoch.
Der zur Verfügung gestellte Raum im Untergeschoss wirkte sehr sachlich, hell ausgestrahlt und war gut gefüllt. Am Rande bemerkt sei die Leerstandsinitiative, welche aufgegebene Geschäfte sinnvoll zu nutzen versucht. Für die Kultur? Umso besser!
Die vielfach ausgezeichnete Autorin, welche sich um den Erhalt des rheinfränkischen Dialekts bemüht, begann mit Geschichten aus den 1950ern um ihren fantasiereichen Großvater, der sie aber auch mit fundierten Tierkenntnissen, Wissen über Heilkräutern, Pilze, Erden schwer beeindruckte, ja bezauberte. Öfters schon sagt er in seinem fortgeschrittenen Alter zur neugierigen, lebendigen Enkelin : „Warte, ich muss gerade mal schnaufe.” Sehr schön formulierte Erinnerungen. Opa wird zu ihrem Schutzengel.
In weiteren Texten sinniert sie über den Sinn des Lebens und das Älterwerden: „Was sind schon Worte – was bleibt – was is de Preis fers Glick.” Die Lautrer Autorin Eva Paula Pick spricht gern vom Glück, Sein und UnSein zu genießen. Das mag eine Assoziation an Hamlet wecken.
In „Nelly nervt” aus ihrem Buch „So fremd – so nah” beleuchtet Demuth die ungewöhnliche Freundschaft zweier Frauen mit stark gegensätzlichen Charakteren. Während die Protagonistin in der Ich-Perspektive es eher gemäßigt haben will und u.a. mit dem Gewicht kämpft, ist die gutaussehende Nelly im positiven Sinne extrem extrovertiert. Naturbedingt streiten sich beide ab und zu, dann wird der Telefonhörer aufgeknallt. Das Duo findet sich aber bald wieder auf Reisen zusammen. Bei Nelly stellen sich zunehmend gesundheitliche Probleme ein. Ihr Verehrer Friedhelm stellte überraschend einen Heiratsantrag, sie willigte ein, doch kurz darauf schmeißt dieser sein Studium, was zu einer explosiven Trennung und Streit mit der Freundin führt. Das dann folgende eher traurige Ende überrascht, denn Demuth führt die Leser und Hörer im Kontext young forever stilsicher und geschickt in die Irre.
Ein Gast wählte prompt den erwähnten Kosenamen „Zuckermaus” als Wortspiel, was die Lesung in Heiterkeit schließen ließ.
Buch: Renate Demuth: So nah – so fern. Erzählungen und Lyrik. Lutrina Verlag 2018
